Die Energiewende im Wohnungsbestand braucht einen verbindlichen Schulterschluss zwischen Politik, Energieversorgern und Wohnungswirtschaft. Diese Kernbotschaft stellte der GdW Bundesverband der Wohnungswirtschaft am 20. August 2026 in einer Positionierung zur Energiewende im Gebäudesektor in den Mittelpunkt. Hintergrund ist eine Serie von Maßnahmen, die zusammengenommen die Investitionsbereitschaft der Wohnungswirtschaft in Klimaschutz und Energieeffizienz erheblich beeinträchtigen.
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Was derzeit alles gleichzeitig schiefläuft
GdW-Präsident Axel Gedaschko benennt die aktuelle Lage schonungslos: Auf der einen Seite stehen die Klimaziele, die nur mit massiven Investitionen im Gebäudebestand erreichbar sind. Auf der anderen Seite werden genau diese Investitionen durch ein Bündel von Maßnahmen immer schwerer: BEG-Kürzungen, die am 21. Juli 2026 mit wenigen Tagen Vorlauf in Kraft traten und Projekte sofort stoppten. Die geplante EEG-Novelle 2027, die Mieterstrom und Energy Sharing auf Mehrfamilienhäusern gefährdet. Die mögliche Stromsteuer-Erhöhung, die Eigenverbrauchsmodelle unattraktiver machen würde. Steigende CO2-Preise, die zwar als Anreiz zur Sanierung wirken sollen, aber ohne ausreichende Förderung die Kostenlast erhöhen. Und ein GModG, das zwar die 65-Prozent-Pflicht abschafft, aber keinen Flottenansatz für Bestandshalter enthält.
Was die GdW-Initiative Praxispfad CO2-Reduktion erreichen will
Im Kontext der Energiewende-Positionierung verwies GdW auch auf die Initiative Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor. Diese Initiative bündelt konkrete Erfahrungen aus dem Wohnungsbestand und zeigt, welche Kombination aus technischen Maßnahmen, Förderprogrammen und Mieterkommunikation tatsächlich zu messbaren CO2-Reduktionen führt. Ziel ist es, politischen Entscheidungsträgern praxiserprobte Lösungsansätze zu liefern statt nur Zielkorridore zu formulieren.
Was ein Schulterschluss konkret bedeuten würde
GdW definiert Schulterschluss als mehr als ein symbolisches Bekenntnis. Konkret braucht die Wohnungswirtschaft verlässliche Förderprogramme mit mehrjähriger Laufzeit und ohne kurzfristige Unterbrechungen. Technologieoffene Anforderungen, die Quartierslösungen ermöglichen und nicht Gebäude für Gebäude die gleiche Technik fordern. Eine CO2-Preispolitik, die langfristig planbar ist und nicht durch jährliche Haushaltskompromisse verändert wird. Und ein EEG sowie eine Stromsteuerpolitik, die erneuerbare Eigenversorgung im Mehrfamilienhaus wirtschaftlich attraktiv machen statt kurzfristig wieder unattraktiver.
Was das für Investoren bedeutet
Für Investoren im Wohnungsbestand ist die Unsicherheit das eigentliche Problem. Die Richtung stimmt: Energetische Sanierung ist geboten, Wärmepumpen dominieren den Neubau, CO2-Preise steigen, Mietrecht und EPBD erhöhen den Druck. Aber der regulatorische Rahmen bleibt unberechenbar. Wer jetzt saniert, tut das trotz des Rahmens, nicht wegen ihm. Die Kombination aus klarer Nachfrage nach energieeffizienten Objekten und unzuverlässiger Politik schafft ein Umfeld, in dem Eigenkapitalstärke und kurze Haltedauern beim Fix und Flip die besten Schutzfaktoren sind.
Quellen: GdW Bundesverband, Pressemitteilung Energiewende Schulterschluss, 20. August 2026; GdW, Initiative Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor; GdW, GModG-Stellungnahme, 11. Juni 2026.
Foto: Degewo, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0




