Eine aktuelle Umfrage des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW unter seinen rund 3.000 Mitgliedsunternehmen zeigt ein klares Bild: Die Wohnungswirtschaft erwartet von der Bundesregierung noch 2026 konkrete und verbindliche Entscheidungen. Abstrakte Absichtserklärungen reichen nicht mehr. Die befragten Unternehmen bewirtschaften zusammen rund sechs Millionen Wohnungen, in denen über 13 Millionen Menschen wohnen. Sie stellen fast 30 Prozent aller Mietwohnungen und rund 61 Prozent aller Sozialwohnungen in Deutschland. Ihre Einschätzung hat damit politisches Gewicht.
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Fünf Themen beschäftigen die Branche am stärksten
Die Umfrage zeigt deutlich, welche Themen die Wohnungsunternehmen am meisten belasten. An erster Stelle stehen das Zinsniveau und die Finanzierungskosten. Seit 2021 haben sich die Zinsen vervierfacht, was Neubau und Sanierung erheblich verteuert hat. Eng damit verknüpft ist das zweite große Thema: bezahlbares Wohnen. Immer mehr Mittel fließen in Klimaschutz, Instandhaltung und altersgerechten Umbau, und fehlen damit für neue Wohnungen. Drittens bereiten die Förderbedingungen erhebliche Sorgen: Ständig wechselnde Programme, kurzfristige Stopps und unklare Perspektiven machen Investitionsplanung schwierig. Viertens ist die Finanzierung energetischer Modernisierungen ein zentrales Problem, besonders angesichts einer möglichen Kürzung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), für die 2026 rund 11,964 Milliarden Euro vorgesehen sind. Fünftens belasten steigende Anforderungen an Digitalisierung, Energieeffizienz und Bürokratie die Kapazitäten der Unternehmen.
Gedaschko: Die Lage ist ganz konkret schwierig
GdW-Präsident Axel Gedaschko nimmt kein Blatt vor den Mund: Die Ergebnisse der Umfrage sind ein deutliches Warnsignal aus der Praxis. Die Lage ist nicht abstrakt schwierig. Die Lage ist ganz konkret schwierig bei Investitionsentscheidungen, bei Neubauprojekten, bei Modernisierungen und am Ende auch bei den Mieterinnen und Mietern. Er fordert unmissverständlich: Gerade jetzt darf die Politik die sozial orientierte Wohnungswirtschaft nicht zusätzlich belasten. Wer bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und sozialen Zusammenhalt sichern will, muss die Investitionsbedingungen dringend verbessern.
Drei Kernforderungen dominieren die Umfrage
Verlässliche Förderung ist die wichtigste Forderung: Planungssicherheit sei die Grundvoraussetzung für Investitionen. Wenn Förderbedingungen während laufender Planungen geändert werden, kommen Investitionen ins Stocken. Die GdW-Unternehmen planen energetische Sanierungen oft über zehn bis zwanzig Jahre, stimmen mehrere Fördertöpfe aufeinander ab und müssen Maßnahmen sozial verträglich umsetzen. Fällt Förderung weg, steigt der Druck auf Mieter.
Weniger Bürokratie ist die zweite Kernforderung: Lange Genehmigungsverfahren, komplizierte Förderanträge und uneinheitliche Regelungen auf Länder- und Kommunalebene binden Ressourcen, die für Bau und Sanierung fehlen. Nachweis- und Gutachterpflichten, insbesondere bei Wärmepumpen-Hybridlösungen und dezentralen Anlagen, sollen deutlich reduziert werden.
Bezahlbarer Klimaschutz ist die dritte Priorität: Klimaschutz sei grundsätzlich richtig, müsse aber wirtschaftlich tragfähig bleiben. Statt kleinteiliger Einzelgebäudevorgaben fordert die Branche quartiersbezogene Lösungen und eine Steuerung über tatsächlich erreichte CO2-Minderungen. Entscheidend sei nicht die formale Erfüllung immer neuer Detailvorgaben, sondern die tatsächliche CO2-Minderung zu vertretbaren Kosten.
Was die Koalitionsbeschlüsse bewirken
Die GdW-Umfrage wurde noch vor den Koalitionsausschussbeschlüssen vom 2. Juli 2026 erhoben. Die Beschlüsse zu Kapitalpuffern, serielles Bauen und dem Verstaatlichungsverbot greifen Kernforderungen der Branche auf. Gedaschko kommentierte direkt: Jetzt muss aus dem politischen Beschluss sehr schnell konkrete Entlastung auf den Baustellen und in den Quartieren werden. Die Unternehmen begrüßen das Signal, warten aber auf die Gesetzgebung.
Relevanz für Investoren im Bestand
Für private Investoren und Fix-and-Flip-Akteure liefert die GdW-Umfrage eine wichtige Einschätzung: Die institutionelle Wohnungswirtschaft ist investitionsbereit, aber zögerlich. Solange Förderbedingungen unberechenbar bleiben, investieren die großen Akteure weniger aggressiv. Das schafft Chancen für eigenkapitalstarke Einzelinvestoren, die schneller entscheiden und bei Sanierungsprojekten die Lücke füllen können, die institutionelle Zurückhaltung hinterlässt.
Quellen: GdW Bundesverband, Pressemitteilung GdW-Umfrage, 9. Juni 2026; architekturblatt.de, 10. Juni 2026; verbandsbuero.de, BEG-Analyse, Juli 2026; GdW Jahrespressekonferenz, 6. Juli 2026.
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