Die Bundesregierung erwägt, die Stromsteuer zu erhöhen, um Haushaltslücken zu schließen. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW reagierte am 20. August 2026 mit scharfer Kritik: Eine Stromsteuer-Erhöhung wäre ein skandalöser Vertrauensbruch bei der Energiewende. Besonders bitter wäre das Signal im Hinblick auf den gerade erst gestarteten Energy-Sharing-Ansatz und die laufenden Investitionen in Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern.
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Hintergrund: Stromsteuer und die Wohnungswirtschaft
Deutschland hat eine der höchsten Stromsteuerbelastungen in Europa. Für Haushaltskunden und Gewerbetreibende, die nicht von der ermäßigten Industriestromsteuer profitieren, liegt der Strompreis 2026 bei durchschnittlich 31 bis 35 Cent pro Kilowattstunde. Davon entfällt ein erheblicher Teil auf staatliche Abgaben und Steuern. Die Bundesregierung hatte zwar für Industrie und Landwirtschaft die Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau gesenkt, private Haushalte und Wohnungsunternehmen gingen jedoch leer aus. Der Bund subventioniert die Energiepreise 2026 bereits mit rund 29,5 Milliarden Euro, wovon allein 6,5 Milliarden Euro auf die Dämpfung der Übertragungsnetzentgelte entfallen.
Warum GdW von Vertrauensbruch spricht
GdW-Präsident Axel Gedaschko verdeutlicht das Problem: Wer gerade Mieter mit dem Argument überzeugt, in Photovoltaik auf dem Dach zu investieren, damit der selbst erzeugte Strom über Energy Sharing günstig genutzt werden kann, dem werde mit einer Stromsteuererhöhung direkt in den Rücken gefallen. Die Wirtschaftlichkeit dieser Modelle basiert auf einem verlässlichen Rahmen für Stromerzeugung und -nutzung. Wenn der Staat diesen Rahmen immer wieder verändert, sinkt die Investitionsbereitschaft. Das gelte für Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern genauso wie für Wärmepumpen, Batteriespeicher und andere Technologien der Energiewende.
Einordnung: Haushaltsdruck versus Energiepolitik
Die Haushaltslage der Bundesregierung ist angespannt. Finanzminister Lars Klingbeil steht vor erheblichen Deckungslücken und sucht nach Einsparmöglichkeiten. Die Wohnungswirtschaft und andere Branchenverbände warnen, dass steuerliche Eingriffe beim Strom genau das Falsche Signal zum falschen Zeitpunkt seien. Der aktuelle Schub bei Photovoltaik-Installationen auf Wohngebäuden, der starke Anstieg bei Energy-Sharing-Modellen und die Klimaschutzziele im Gebäudesektor setzen voraus, dass günstigerer Eigenverbrauch auch langfristig attraktiv bleibt.
Für Immobilieneigentümer und Investoren, die derzeit PV-Projekte auf Mehrfamilienhäusern planen, ist die Debatte ein Risikosignal. Investitionsrechnungen, die auf einem stabilen Stromsteuerniveau basieren, könnten sich verändern. Wer jetzt PV und Energy Sharing plant, sollte Szenarien mit moderat höherer Stromsteuer in die Kalkulation einbeziehen.
Quellen: GdW Bundesverband, Pressemitteilung, 20. August 2026; Handelsblatt, Energiesubventionen 2026, Dezember 2025; Investmentweek, Bund subventioniert Strompreise, Dezember 2025.
Foto: Gasspeicher Eschenfelden, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0




