Digitalisierungsstudie 2026: Immobilienbranche investiert, digitale Resilienz bleibt Baustelle

Die elfte Ausgabe der Digitalisierungsstudie des Zentralen Immobilien Ausschusses und der Unternehmensberatung EY Parthenon zeichnet ein zwiespältiges Bild der Immobilienbranche. Die Unternehmen investieren demnach auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiter in Digitalisierung, digitale Resilienz wird jedoch selten wirklich gemessen und kaum systematisch getestet.

Nach den Ergebnissen der Studie haben 61 Prozent der befragten Unternehmen ihre Digitalisierungsbudgets zuletzt erhöht. Gleichzeitig verschiebt sich die Struktur der Investitionen: Kleinere Budgets zwischen einem und fünf Prozent des Umsatzes gehen zurück, während mittlere Investitionsvolumina von elf bis zwanzig Prozent des Umsatzes deutlich zulegen. Als größte Hemmnisse nennen die Unternehmen weiterhin fehlende Fachkräfte, hohe Kosten und mangelnde Datenqualität. Neu erfasst wurde in diesem Jahr erstmals fehlende Cyberkompetenz als eigenständiger Bremsfaktor.

Künstliche Intelligenz kaum noch wegzudenken

Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei der künftigen Bedeutung Künstlicher Intelligenz aus. 96 Prozent der Befragten halten KI in den kommenden fünf Jahren für einsatzrelevant für das eigene Geschäftsmodell, der höchste Wert aller in der Studie abgefragten Technologien. Auch Cloud-Lösungen und Big Data gelten für eine klare Mehrheit der Unternehmen als unverzichtbar.

Zugleich zeigt die Studie eine wachsende Abhängigkeit von wenigen großen IT-Anbietern. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sehen digitale Souveränität zwar als strategisches Ziel, siebzig Prozent sind aber gleichzeitig in hohem Maße von einzelnen großen Technologiekonzernen abhängig. Multi-Vendor-Strategien oder europäische Alternativen sind bislang kaum verbreitet.

Resilienz wird selten gemessen

Das eigentliche Schwerpunktthema der diesjährigen Studie ist die digitale Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen gegenüber technischen Störungen, Cyberangriffen oder anderen Krisen. Hier zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Nur jedes zehnte Unternehmen misst seine digitale Resilienz vollständig, bei rund der Hälfte sind die entsprechenden Kennzahlen lückenhaft, knapp ein Drittel verzichtet ganz auf eine Messung. Auch Frühwarnsysteme und regelmäßige Krisensimulationen setzen bislang nur wenige Unternehmen konsequent ein.

Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das Ergebnis vor allem eines: Die technologischen Grundlagen für mehr Widerstandsfähigkeit sind in weiten Teilen der Branche bereits vorhanden. Entscheidend wird nun, ob Unternehmen diese Grundlagen auch aktiv nutzen, um ihre digitale Resilienz nicht nur zu behaupten, sondern regelmäßig zu überprüfen und gezielt weiterzuentwickeln.

Energie- und ESG-Vorgaben als Treiber

Die Studie zeigt zudem, wo digitale Technologien in der Praxis bereits konsequent eingesetzt werden: vor allem dort, wo regulatorische Anforderungen und unmittelbare Effizienzgewinne zusammenkommen, etwa bei Energie- und Nachhaltigkeitsvorgaben. Zukunftstechnologien wie digitale Zwillinge von Gebäuden oder vorausschauende Instandhaltung bleiben dagegen bislang die Ausnahme. Auch geopolitische Risiken werden nach den Ergebnissen der Studie bei der strategischen Ausrichtung von Immobilienportfolios trotz Pandemie, Energiekrise und internationalen Konflikten der vergangenen Jahre nur selten systematisch berücksichtigt.

Foto: Sebastian Rittau, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

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