Deutscher Bauherrenpreis 2026: Projekte zeigen Wege aus der Wohnungsbaukrise

Am 29. Juni 2026 wurden auf dem EUREF-Campus in Berlin die Preisträger des Deutschen Bauherrenpreises 2026 ausgezeichnet. Der Preis feierte sein 40-jähriges Bestehen und verzeichnet mit 176 eingereichten Projekten aus ganz Deutschland eine Rekordbeteiligung. Aus 30 Nominierten kürte die Jury unter Vorsitz von Prof. Jörn Walter, dem ehemaligen Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, fünf Hauptpreisträger und drei Sonderpreise. Das Motto lautet seit 1986 unverändert: Hohe Qualität, tragbare Kosten.

Der Preis und seine Träger

Ausgelobt wird der Deutsche Bauherrenpreis von der Arbeitsgruppe KOOPERATION, bestehend aus dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und dem Deutschen Städtetag. Gefördert wird er vom Bundesministerium für Wohnen sowie vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten. Bundesbauministerin Verena Hubertz unterstrich in ihrem Grußwort: Die klügsten Lösungen sind oft nicht die aufwendigsten, sondern die am besten durchdachten. BDA-Präsident Alexander Poetzsch betonte, der Preis zeichne diejenigen aus, die den Mut aufbringen, die Aufgabe des bezahlbaren Bauens anzugehen, weil ihnen Qualität ein unverzichtbares Anliegen ist.

Die fünf Preisträger im Überblick

W1OXF in Münster: Die Grüner Weiler eG verbindet kostenbewusstes Bauen, klimafreundliche Energieversorgung und Suffizienz mit vielfältigen Wohnformen. Die Jury würdigt das Projekt als vorbildliches und übertragbares Beispiel für genossenschaftlichen Wohnungsbau.

Langhaus Braunsfeld in Köln: Die Genossenschaft DIE EHRENFELDER zeigt, wie schwierige Grundstücke durch kreative architektonische Konzepte erschlossen und für bezahlbaren Wohnraum nutzbar gemacht werden können.

Aktionsraum Oderbruch in Eberswalde: Die Wohnungsgenossenschaft Eberswalde 1893 eG hat mit transparenter Mieterkommunikation und kluger Quartiersvermarktung ein ehemals tristes Plattenbau-Viertel in ein lebendiges, offenes Quartier verwandelt. Vorbildcharakter für den Aufbruch im Plattenbaubestand.

Kalksandsteinwerk in Bremerhaven: Die GEWOBA AG zeigt, wie bezahlbarer Wohnraum in bevorzugten Lagen entsteht und wie urbane Uferzonen durch Revitalisierung wieder für die gesamte Bevölkerung zugänglich werden.

Roter Backsteinhof am Rathausmarkt in Kronshagen: Die Baugenossenschaft Mittelholstein hat eine neue Ortsmitte geschaffen, die Wohnen, öffentliche Nutzungen und gemeinschaftliche Freiräume zu einem identitätsstiftenden Ensemble verbindet.

Die drei Sonderpreise

Platensiedlung Frankfurt am Main: ABG Frankfurt Holding realisierte ein einzigartiges Nachverdichtungsprojekt einer 50er-Jahre-Siedlung. Die Jury nennt es einen Leuchtturm im Ringen um Flächenverbrauch und bezahlbaren Wohnraum.

Revitalisierung Hochhaus Sterntalerweg in Lübeck: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE beweist, dass durch präzise bauliche Eingriffe und serielle Elemente eine anonyme Bestandsimmobilie in ein hochwertiges, zeitgemäßes Wohngebäude überführt werden kann.

Geförderter Wohnungsbau mit Arztpraxis in Auerbach: Die Gemeinde Auerbach zeigt, dass baukulturelle Qualität, soziale Stabilität und Sicherung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum durch weitsichtiges kommunales Handeln vereinbar sind.

Was Investoren aus den Preisträgern mitnehmen können

Die ausgezeichneten Projekte sind keine Prestigebauten, sondern praxistaugliche Blaupausen für wirtschaftlich tragfähiges Bauen und Sanieren. Drei Muster fallen auf: Erstens dominiert der Genossenschaftsgedanke. Mehrere Preisträger sind Genossenschaften, die durch Vorwegnahme der Mieternachfrage und langfristige Haltestrategie günstigere Finanzierungskonditionen erzielen. Zweitens zeigt der Sonderpreis für Lübeck, dass serielles Sanieren im Hochhausbestand heute schon wettbewerbsfähig ist. Drittens belegt Auerbach, dass Bestandsergänzungen im ländlichen Raum funktionieren, wenn Nutzungsmischung konsequent geplant wird. Für Fix-and-Flip-Investoren sind diese Projekte eine Inspirationsquelle: kostenbewusste Konzepte, schwierige Grundstücke erschließen, Bestand aufwerten und dabei übertragbare Qualitätsstandards setzen.

Quellen: GdW Bundesverband, Pressemitteilung Deutscher Bauherrenpreis 2026, 29. Juni 2026; vdwbayern.de, 1. Juli 2026; architekturblatt.de, 30. Juni 2026; deutscherbauherrenpreis.de.

Foto: Pexels, Pexels (kostenlos nutzbar)

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