Die deutschen Erdgasspeicher gehen mit einem historisch niedrigen Füllstand in den Winter 2026/27. Zum 11. August 2026 waren sie nach Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE/AGSI+) nur zu 48,72 Prozent gefüllt. Das entspricht rund 120 Terawattstunden Gas und liegt rund 16 Prozentpunkte unter dem Stand des Vorjahres. Am selben Stichtag 2025 waren die Speicher noch zu 64,7 Prozent gefüllt. Bereits der Einspeicherbeginn im Sommer 2026 lag niedriger als in jedem Jahr seit der Energiekrise 2021/22. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW warnte am 21. August 2026 eindringlich vor den Risiken für Millionen Mieterhaushalte im Winter.
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Iran-Krieg als Hauptursache der leeren Speicher
Der Hauptgrund für den ungewöhnlich niedrigen Füllstand ist der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus. Seit Kriegsbeginn haben sich die Gaspreise mehr als verdoppelt. Das macht die Befüllung der Speicher für den Winter für Gashändler wirtschaftlich unattraktiv. Wer Gas im Sommer einspeichert, riskiert hohe Beschaffungskosten bei gleichzeitig unsicheren Abrufpreisen im Winter. Als Alternative steht Flüssigerdgas (LNG) zur Verfügung, das jedoch deutlich teurer als Pipeline-Gas ist und die Beschaffungskosten weiter erhöht.
Gedaschko warnt vor unterschätzter Physik der Ausspeicherung
GdW-Präsident Axel Gedaschko erklärt das eigentliche Problem hinter der Zahl: Ein Füllstand unter 49 Prozent Mitte August ist kein Grund zur Panik, aber ein deutliches Warnsignal. Die Bundesnetzagentur nenne die Lage stabil, das mag zum heutigen Zeitpunkt im Spätsommer stimmen, ignoriere aber die aktuelle geopolitische Weltlage. Entscheidend sei die Frage, was passiert, wenn im Januar oder Februar eine mehrwöchige Kältephase kommt, wie sie erst im vergangenen Winter erlebt wurde. Dann zählt nicht mehr nur, wie viel Gas im Speicher liegt, sondern wie schnell es bei sinkendem Druck noch ausgespeichert werden kann. Genau diese Physik werde in der öffentlichen Debatte bislang unterschätzt.
Drei konkrete Forderungen des GdW an die Politik
Der GdW fordert von Bundesregierung, Bundesnetzagentur und Bundestag, jetzt zu handeln, bevor eine länger anhaltende Kältephase die Lücke zwischen Füllstand und tatsächlicher Versorgungssicherheit offenlegt. Konkret stellt GdW drei Forderungen. Erstens: Der prozentuale Füllstand allein reiche nicht aus. Künftig sollte auch regelmäßig veröffentlicht werden, wie viel Gas die Speicher bei ihrem jeweiligen Füllstand tatsächlich pro Stunde liefern können. Zweitens: Wohngebäude, die über Fernwärme oder Contracting versorgt werden, müssten als Haushaltskunden geschützt werden. Technisch werden diese Gebäude teilweise nicht als klassische Haushaltskunden erfasst und könnten in einer Gasmangellage durch das Raster fallen. Auch die Bewohner großer Wohnanlagen dürften nicht schutzlos bleiben. Drittens: Die staatliche Krisenplanung müsse auch die indirekten Folgen einer Gasknappheit berücksichtigen. Stark steigende Energiepreise, unsichere Beschaffungskosten und eine mögliche Industrie- und Konjunkturkrise würden Wohnungsunternehmen und Mieterhaushalte erheblich belasten.
Hintergrund: Wohnungswirtschaft und Gasheizungen
Die rund 3.000 im GdW organisierten Wohnungsunternehmen versorgen etwa 13 Millionen Menschen in Deutschland mit Wohnraum. Ein erheblicher Teil davon wird noch mit Gasheizungen beheizt. Obwohl im Neubau die Wärmepumpe dominiert, sind im Bestand Gasheizungen weiter weit verbreitet. Sollte es zu einer Gasknappheit kommen, wären die sozialen Folgen für einkommensschwache Mieterhaushalte besonders schwerwiegend, da diese den geringsten Spielraum haben, auf teurere Alternativen oder höhere Energierechnungen zu reagieren.
Was Vermieter und Investoren jetzt beachten sollten
Für Eigentümer und Investoren mit Gasheizungen im Bestand ist die Situation ein Weckruf. Wer jetzt noch gasbasierte Objekte im Portfolio hat, sollte die Risiken einer möglichen Gasmangellage und stark steigender Gaspreise konkret in die Risikoplanung aufnehmen. Die Kombination aus niedrigem Gasspeicherstand, doppelt so hohen Gaspreisen wie vor dem Iran-Krieg und einem möglichen Kältewinter könnte die Betriebskosten von Gasheizungsobjekten erheblich treiben. Energetische Sanierungen hin zu Wärmepumpen oder Fernwärme gewinnen damit zusätzliche wirtschaftliche Dringlichkeit.
Quellen: GdW Bundesverband, Pressemitteilung, 21. August 2026; architekturblatt.de, 21. August 2026; vdwbayern.de, 21. August 2026; t-online.de, 19. August 2026; Gas Infrastructure Europe (GIE/AGSI+), August 2026.
Foto: Gasspeicher Eschenfelden, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0




