Die Lage im deutschen Wohnungsbau ist dramatisch. Der Bundesverband der Wohnungswirtschaft GdW meldete im Mai 2026, dass 2025 nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt wurden. Das ist ein Einbruch von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2012. Konkret wurden 45.400 Wohnungen weniger fertiggestellt als noch ein Jahr zuvor. GdW-Präsident Axel Gedaschko bezeichnete das als wohnungspolitischen Alarmruf: Wenn in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt werden, zeige das schonungslos, wie sehr der Wohnungsbau unter Druck stehe.
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Ursachen: Ein struktureller Kollaps
Die Ursachen sind bekannt, aber in ihrer Kombination verheerend. Der Genehmigungseinbruch der Jahre 2023 und 2024 mit jeweils minus 27 und minus 17 Prozent entfaltet erst jetzt seine volle Wirkung auf die Fertigstellungszahlen. Wohnungen werden im Schnitt 26 bis 34 Monate nach Genehmigung fertiggestellt. Dazu kommen hohe Baukosten, die den Bau im bezahlbaren Segment unwirtschaftlich machen: Für 2026 erwartet die Branche einen weiteren Baupreisanstieg von 3,3 Prozent. Der Iran-Krieg verschärft die Lage zusätzlich durch steigende Material- und Energiekosten.
Hinzu kommt eine zunehmende Planungsunsicherheit. Laut dem aktuellen GdW-Vermieterreport 2026 planen 59 Prozent der privaten Vermieter für dieses Jahr keine weiteren Modernisierungen. Mehr als die Hälfte verzichtete 2025 sogar auf Mietsteigerungen, die sie rechtlich hätten durchsetzen können. Die mangelnde Planungssicherheit durch wechselnde Förderregeln, steigende regulatorische Anforderungen und unklare politische Rahmenbedingungen drückt die Investitionsbereitschaft erheblich.
Politische Reaktion: BauGB-Modernisierung und Bau-Turbo
Die Bundesregierung reagiert. Am 27. Mai 2026 beschloss das Kabinett einen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts. Wohnungsbau soll darin stärker priorisiert werden. Bundesbauministerin Verena Hubertz hatte zudem die Idee einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft ins Spiel gebracht. GdW sieht beides als Schritt in die richtige Richtung, warnt aber vor zu viel bürokratischer Begleitung. Gedaschko betont: Es brauche einen echten Abwägungsvorrang fürs Wohnen sowie einen konsequenten Basisstandard nach dem Prinzip Gebäudetyp E. Nur wenn schneller, einfacher und kostengünstiger gebaut werden könne, entstünden genügend Wohnungen.
Soziale Wohnungsbau: Strukturelle Unterfinanzierung
Besonders dramatisch ist die Lage im geförderten Segment. Laut GdW-Daten und Trends 2025/2026 wohnen GdW-Mitglieder im Schnitt für 6,63 Euro pro Quadratmeter. Geförderter Wohnungsbau kostet heute in vielen Regionen 4.500 bis 5.500 Euro pro Quadratmeter in der Herstellung. Ohne substanzielle Förderung und ohne Vereinfachungen beim Baurecht ist dieser Standard kaum wirtschaftlich zu realisieren. Das Bundesbauministerium stellt 2026 vier Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau bereit, was Branchenexperten für nicht ausreichend halten.
Ausblick: Erst 2027 Besserung möglich
Der ZDB und das ifo-Institut sind sich einig: Positive Effekte durch verbesserte Genehmigungszahlen ab 2025 können wegen der langen Projektlaufzeiten frühestens 2027 in den Fertigstellungszahlen sichtbar werden. Für 2026 rechnet der ZDB mit 215.000 bis 220.000 Fertigstellungen, Börsennachrichten berichten bereits von einer möglichen Unterschreitung der 200.000er Marke. Das politische Ziel von 400.000 Wohnungen jährlich bleibt auf unabsehbare Zeit unerreichbar.
Für Fix-and-Flip-Investoren ist der strukturelle Wohnungsmangel ein langfristiger Rückenwind: Jede sanierte und auf den Markt gebrachte Wohneinheit trifft auf einen Markt, der das Angebot dringend braucht. Die Preisstabilität und die steigende Nachfrage machen Bestandsimmobilien mit Aufwertungspotenzial zum bevorzugten Investitionsobjekt auch in den kommenden Jahren.
Quellen: GdW Pressemitteilung Mai 2026; GdW Wohnungswirtschaftliche Daten und Trends 2025/2026; GdW Vermieterreport 2026; ZDB Baukonjunkturbericht 2026; boerse-express.com, Juni 2026.
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