Am 21. Juli 2026 sind neue, massiv gekürzte Förderbedingungen für die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) in Kraft getreten. Die Bundesregierung gab den Wohnungsunternehmen wenige Tage Vorlauf. Das Ergebnis: Langfristig geplante Projekte wurden von heute auf morgen unwirtschaftlich. Der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW reagierten am 28. Juli 2026 mit einer gemeinsamen Erklärung: Kahlschlag auf Kosten der Mieter und des Klimas. Beide Verbände fordern die vollständige Rücknahme der Kürzungen.
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Was sich konkret geändert hat
Die BEG-Förderung wurde in mehreren Schritten massiv eingeschränkt. Zuerst verhängte die Bundesregierung kurzfristig einen Förderstopp, der laufende Projektvorbereitungen abrupt stoppte. Dann traten zum 21. Juli 2026 neue, dauerhaft niedrigere Fördersätze in Kraft. Besonders hart trifft es Mehrfamilienhäuser: Bei einem Gebäude mit zwölf Wohnungen sinken die förderfähigen Kosten von bisher 360.000 Euro auf nur noch 153.000 Euro. Das entspricht einem Rückgang von über 57 Prozent. Damit rechnen sich zahlreiche Sanierungsprojekte nicht mehr, die über Jahre geplant, finanziert und mit Blick auf die Mietenbezahlbarkeit strukturiert wurden.
GdW: Vertrauensverlust in Verlässlichkeit der Förderprogramme
GdW-Präsident Axel Gedaschko macht die Schwere der Situation deutlich: Die Änderungen haben zu erheblicher Verunsicherung bei den mehr als 3.000 sozial orientierten Wohnungsunternehmen geführt. Das Ergebnis eines solchen Vorgehens sei ein gefährlicher Vertrauensverlust in die Verlässlichkeit der Förderprogramme des Bundes. Wohnungsunternehmen planen energetische Sanierungen über Zeiträume von fünf bis zehn Jahren. Sie stimmen Finanzierungen, Mietanpassungen und Handwerkerkapazitäten aufeinander ab. Wenn Förderbedingungen mit wenigen Tagen Vorlauf drastisch verändert werden, bricht die gesamte Kalkulationsgrundlage zusammen.
Mieterbund: Haushalte mit geringem Einkommen besonders betroffen
DMB-Bundesdirektor Florian Becker ergänzt die sozialpolitische Dimension: Über die Hälfte der Mieterinnen und Mieter gehöre zum untersten Einkommensdrittel. Insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen müssten einen immer größeren Teil ihres Einkommens für das Heizen aufwenden und seien von steigenden Energiepreisen besonders betroffen. Die BEG-Förderung unterstütze Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und reduziere die Höhe der auf die Miete umlagefähigen Modernisierungskosten. Die massiven Kürzungen stellten ein erhebliches Kostenrisiko für Mieterhaushalte dar und müssten umgehend zurückgenommen werden.
Was GdW und DMB gemeinsam fordern
GdW und Mieterbund fordern die Bundesregierung auf, die Kürzungen zurückzunehmen und die Förderbedingungen grundlegend zu korrigieren. Konkret verlangen sie: Erstens die Wiederherstellung einer angemessenen Förderhöhe für Mehrfamilienhäuser. Zweitens eine gleichberechtigte Berücksichtigung vermieteter Bestände gegenüber selbstgenutztem Wohneigentum. Drittens langfristige Planungssicherheit durch mehrjährig garantierte Förderprogramme. Viertens eine enge Abstimmung mit der Wohnungswirtschaft vor jeder Programmänderung. GdW-Präsident Gedaschko fasst zusammen: Wer jetzt bei der Gebäudeförderung den Rotstift ansetzt, gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern belastet am Ende die Mieterhaushalte.
Hintergrund: Klimaziele im Gebäudesektor verfehlt
Der dena-Gebäudereport 2026 kommt zu dem Schluss, dass der Gebäudesektor die Klimaziele weiter verfehlt. Der Sanierungsstau im deutschen Wohnungsbestand beträgt nach Schätzungen mehrere hundert Milliarden Euro. Jährlich werden nur rund ein Prozent der Gebäude saniert, benötigt werden nach wissenschaftlicher Einschätzung zwei bis drei Prozent. Die BEG-Kürzungen dürften diese ohnehin unzureichende Sanierungsrate weiter drücken. Für Investoren und Vermieter bedeutet das: Sanierungen werden schwerer finanzierbar, Klimakosten bleiben hoch und der Druck durch steigende CO2-Abgaben auf unsanierte Gebäude wächst trotzdem weiter.
Was Investoren jetzt wissen müssen
Für Fix-and-Flip-Investoren und Bestandseigentümer sind die BEG-Kürzungen ein direkter Eingriff in die Rentabilitätsrechnung. Wer Sanierungen für 2026 und 2027 plant, muss die neuen, niedrigeren Fördersätze jetzt in alle Kalkulationen einbeziehen. Gleichzeitig bleibt der CO2-Kostendruck durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz hoch. Die Kombination aus weniger Förderung und unverändert hohen Klimakosten macht energetische Sanierungen zwar schwieriger, aber nicht weniger notwendig. Wer jetzt trotz schlechterer Förderkonditionen saniert, kauft sich langfristig aus der CO2-Kostenspirale frei.
Quellen: GdW und Deutscher Mieterbund, gemeinsame Pressemitteilung, 28. Juli 2026; GdW, Brief an Wirtschaftsministerin Reiche, 15. Juli 2026; stadtspuren.com, Analyse BEG-Kürzungen, Juli 2026; verbandsbuero.de, BEG-Kürzungen 2026; dena-Gebäudereport 2026.
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