VDIV-Branchenbarometer: Immobilienverwaltungen an der Belastungsgrenze

Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland hat die Ergebnisse seines aktuellen Branchenbarometers veröffentlicht, und das Bild, das die Erhebung zeichnet, ist deutlich: Immobilienverwaltungen in Deutschland arbeiten zunehmend am Limit ihrer Kapazitäten.

Nach Angaben des VDIV berichten viele Verwaltungsunternehmen von einer stetig steigenden Arbeitsbelastung, die sich aus mehreren Faktoren speist. Dazu zählen wachsende regulatorische Anforderungen, ein anhaltender Fachkräftemangel in der Branche sowie die zunehmende Komplexität der Verwaltung älterer Wohnungseigentümergemeinschaften, in denen energetische Sanierungen und Modernisierungen immer häufiger Thema sind.

Trennung von unrentablen Objekten nimmt zu

Besonders bemerkenswert ist eine Entwicklung, die der VDIV als klares Warnsignal wertet: Immer mehr Verwaltungsunternehmen sehen sich gezwungen, sich von unrentablen Eigentümergemeinschaften zu trennen. Steht der Verwaltungsaufwand für ein Objekt in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis mehr zum erzielbaren Honorar, kündigen Verwaltungen zunehmend bestehende Verträge, statt die Betreuung mit Verlust fortzuführen.

Für betroffene Eigentümergemeinschaften kann das erhebliche Folgen haben. Wer keine neue Verwaltung findet, muss unter Umständen Aufgaben zeitweise selbst übernehmen oder deutlich höhere Honorare in Kauf nehmen, um überhaupt noch ein Verwaltungsunternehmen zu finden. Gerade kleinere Gemeinschaften mit wenigen Einheiten oder Objekte in schwierigem baulichem Zustand sind davon besonders betroffen, da sich der Verwaltungsaufwand pro Einheit hier oft kaum wirtschaftlich abbilden lässt.

Strukturelle Ursachen statt Einzelfall

Der VDIV betont, es handle sich bei dieser Entwicklung nicht um vereinzelte Ausreißer, sondern um ein branchenweites Muster. Die gestiegenen Anforderungen, etwa im Bereich der energetischen Sanierung oder bei der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, ließen sich mit dem vorhandenen Personal in vielen Unternehmen kaum noch bewältigen. Gleichzeitig mache der Fachkräftemangel es schwer, offene Stellen zu besetzen und die Kapazitäten entsprechend auszuweiten. Nach Einschätzung des Verbands dürfte sich dieser Trend fortsetzen, solange sich an den strukturellen Rahmenbedingungen der Branche nichts ändert.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer in Wohnungseigentümergemeinschaften bedeutet das Branchenbarometer vor allem eines: Eine gute, verlässliche Hausverwaltung wird zu einem zunehmend knappen Gut. Wer eine Eigentumswohnung kauft oder bereits besitzt, sollte die wirtschaftliche und personelle Situation der Verwaltung stärker im Blick behalten, etwa bei der Verwalterbestellung oder bei anstehenden Vertragsverlängerungen.

Der VDIV fordert vor diesem Hintergrund unter anderem eine Vereinfachung regulatorischer Vorgaben sowie gezielte Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in der Immobilienverwaltung, um die Handlungsfähigkeit der Branche langfristig zu sichern. Auch Käuferinnen und Käufer von Eigentumswohnungen sollten diese Entwicklung bei der Objektauswahl berücksichtigen, denn eine überlastete oder wechselnde Verwaltung kann sich mittelfristig auf den Zustand und den Wert einer Immobilie auswirken.

Foto: August Geyler, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Dein nächster Schritt

Lohnt sich das Objekt? Berechne deine Rendite in unter 60 Sekunden — kostenlos und ohne Anmeldung.