Jung kauft Alt: Bund erhöht Kredithöchstbeträge und schafft mehr Flexibilität

Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat die Förderbedingungen für das Programm „Jung kauft Alt“ spürbar verbessert. Familien mit kleinen und mittleren Einkommen erhalten seit dem 3. August 2026 höhere Kreditbeträge und deutlich mehr Entscheidungsfreiheit bei der energetischen Sanierung ihrer neu erworbenen Bestandsimmobilie. Für alle, die mit dem Kauf und der Sanierung älterer Häuser oder Wohnungen arbeiten, sind das relevante Neuigkeiten.

Mit „Jung kauft Alt“ unterstützt der Bund Familien beim Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum im Bestand. Gefördert wird gezielt der Kauf von Gebäuden mit den Energieeffizienzklassen F, G oder H, also Immobilien, die energetisch besonders sanierungsbedürftig sind. Die Förderung erfolgt über zinsverbilligte Kredite der KfW und richtet sich damit genau an das Marktsegment, in dem auch viele Sanierungsprojekte im Bestand entstehen.

Höhere Kredithöchstbeträge

Der zentrale Punkt der Anpassung betrifft die Kredithöchstbeträge. Familien mit einem Kind können künftig bis zu 140.000 Euro erhalten, bei zwei Kindern steigt der Höchstbetrag auf 160.000 Euro und ab drei Kindern auf 180.000 Euro. Zuvor lagen die Grenzen bei 100.000, 125.000 beziehungsweise 150.000 Euro. Damit steigt der maximale Förderkredit je nach Familiengröße um 30.000 bis 40.000 Euro.

Wie stark sich das auswirkt, zeigt ein Rechenbeispiel des Ministeriums: Eine Familie mit zwei Kindern, die einen Kredit über 160.000 Euro zu einem Zinssatz von aktuell 0,53 Prozent effektiv bei 35 Jahren Laufzeit und 10 Jahren Zinsbindung aufnimmt, spart gegenüber einem vergleichbaren Hausbankdarlehen nach Berechnungen des BMWSB rund 34.000 Euro über die Zinsbindungsdauer. Vor der Anhebung der Kredithöchstbeträge wären es rund 26.500 Euro gewesen.

Mehr Freiheit bei der energetischen Sanierung

Neben den höheren Kreditsummen ändert sich auch die technische Ausgestaltung der Förderung. Bislang war für die volle Förderung eine Komplettsanierung des gesamten Gebäudes auf das Niveau Effizienzhaus 85 EE vorgeschrieben. Künftig können Familien stattdessen zwischen einer Gesamtsanierung und einzelnen energetischen Maßnahmen wählen, die schrittweise zu einem klimafreundlicheren Gebäude führen. Dazu zählen der Heizungstausch, die Dämmung von Dach oder oberster Geschossdecke, der Fenstertausch sowie die Dämmung der Außenwände.

Diese Flexibilität kommt vor allem jenen entgegen, die eine Sanierung nicht auf einmal, sondern in mehreren Etappen umsetzen wollen, etwa aus finanziellen oder organisatorischen Gründen. Wer den Weg über Einzelmaßnahmen wählt, kann die Durchführung zudem künftig durch eine einfache Fachunternehmererklärung nachweisen. Eine Energieeffizienzexpertin oder ein Energieeffizienzexperte muss damit nicht mehr zwingend in jedem Fall beauftragt werden, was Zeit und zusätzliche Kosten sparen kann. Für die Einzelmaßnahmen selbst gilt weiterhin das energetische Mindestniveau der Bundesförderung für effiziente Gebäude, sodass die Förderung an eine tatsächliche energetische Verbesserung gekoppelt bleibt.

Praxisgerechte Ausnahmen für bereits sanierte Bauteile

Eine weitere Neuerung betrifft Gebäude, bei denen einzelne Bauteile oder die Heizung bereits auf ein angemessenes energetisches Niveau gebracht wurden. Diese Maßnahmen müssen nicht erneut durchgeführt werden, nur um die Förderbedingungen formal zu erfüllen. Das verhindert, dass funktionsfähige und bereits sanierte Bauteile vorzeitig ausgetauscht werden müssen, und macht die Förderung insgesamt praxisnäher für den typischen Zustand älterer Bestandsimmobilien, bei denen oft schon einzelne Modernisierungen vorgenommen wurden.

Zusätzlich zum „Jung kauft Alt“-Kredit können für die energetische Sanierung der erworbenen Immobilie weiterhin Mittel aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude beantragt werden, sofern die jeweiligen Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Wer den Kauf einer sanierungsbedürftigen Bestandsimmobilie plant, sollte die Kombination beider Förderwege frühzeitig durchrechnen, da sich daraus je nach Vorhaben ein spürbarer finanzieller Vorteil gegenüber einer rein marktüblichen Finanzierung ergeben kann.

Warum das Programm für Bestandsimmobilien wichtig ist

Für den deutschen Immobilienmarkt hat die Anpassung über den Einzelfall hinaus Bedeutung. Ein großer Teil des Gebäudebestands in Deutschland stammt aus den Jahrzehnten vor der ersten Wärmeschutzverordnung und fällt entsprechend in die unteren Energieeffizienzklassen. Ohne gezielte Förderung bleibt der Kauf und die Sanierung solcher Gebäude für Familien mit begrenztem Eigenkapital oft unattraktiv, obwohl gerade dieser Bestand erhebliches Potenzial für zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum bietet. Mit den verbesserten Konditionen von „Jung kauft Alt“ will der Bund diesen Bestand gezielt aktivieren, statt allein auf den ressourcenintensiveren Neubau zu setzen.

Foto: Michael G. Schroeder, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Dein nächster Schritt

Lohnt sich das Objekt? Berechne deine Rendite in unter 60 Sekunden — kostenlos und ohne Anmeldung.