Destatis: 35.700 erloschene Baugenehmigungen 2025, Rekord seit 2002

Eine Zahl, die in der öffentlichen Debatte kaum beachtet wird, ist erschreckend: Im Jahr 2025 erloschen in Deutschland 35.700 Baugenehmigungen für Wohnungen, ohne dass auch nur ein einziger Spatenstich erfolgte. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2002 und ein Anstieg um rund ein Viertel gegenüber 2024. Gegenüber den Jahren 2022 und 2023 hat sich die Zahl sogar fast verdoppelt. Das meldete das Statistische Bundesamt (Destatis) am 22. Mai 2026.

Was erloschene Genehmigungen bedeuten

Eine Baugenehmigung erlischt, wenn nicht innerhalb der gesetzlichen Frist, in der Regel drei Jahre, mit dem Bau begonnen wird und auch kein Verlängerungsantrag gestellt wird. Im Bauüberhang von 760.700 Einheiten stecken also Zehntausende Projekte, die formal noch als genehmigt gelten, praktisch aber längst aufgegeben wurden. Der tatsächliche Aktivbestand der realisierbaren Projekte ist damit erheblich kleiner als der Rohüberhang vermuten lässt.

Warum Genehmigungen verfallen

Die Ursachen sind vielfältig. Erstens machten gestiegene Baukosten viele in der Niedrigzinsphase geplante Projekte unwirtschaftlich. Ein Mehrfamilienhaus, das 2020 bei drei Prozent Rendite noch funktioniert hätte, rechnet sich bei heutigen Baukosten und Zinsen nicht mehr. Zweitens meldeten zahlreiche Bauträger Insolvenz an, bevor ihre Projekte begonnen wurden. Drittens haben Finanzierungsprobleme viele Bauherren gezwungen, Projekte auf unbestimmte Zeit zurückzustellen. Laut Destatis-Analyse stammt ein erheblicher Teil der 2025 erloschenen Genehmigungen aus den Jahren 2021 und früher, also aus der Zeit vor der Zinswende.

Was das für den Wohnungsmarkt bedeutet

Der Bauüberhang, oft als Puffer für künftige Fertigstellungen betrachtet, ist weniger belastbar als seine Gesamtzahl von 760.700 suggeriert. Die tatsächlich noch aktiven Projekte dürften deutlich weniger sein. Die Fertigstellungsquote von genehmigten Wohnungen liegt laut Marktanalysen bei rund 78 Prozent über drei Jahre. Die restlichen 22 Prozent werden nicht realisiert. Das bedeutet: Selbst bei steigenden Genehmigungszahlen 2026 ist der Wohnungsmangel strukturell tiefer als die Überhang-Statistik zeigt.

Für Investoren unterstreicht diese Zahl: Das Sanieren und Aufwerten von Bestandsobjekten bleibt die verlässlichere Wette als auf Neubauprojekte zu warten. Bestand liefert, Neubau wartet.

Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Baufertigstellungen 2025, 22. Mai 2026; statistiken-aktuell.de, Baugenehmigungsanalyse, Juni 2026.

Foto: Jimmy Chan, Pexels (kostenlos nutzbar)

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